Geschichte des Schulspiels

Studiobühne brachte schon viele Talente hervor
Theaterleidenschaft am Kaspar-Zeuß-Gymnasium hat lange Tradition

Kronach. Es gibt sie seit den 50er Jahren. Sie begeisterten und begeistern zu Tausenden nicht nur die Schüler als Schauspieler, sondern auch Eltern und Kulturbegeisterte als Zuschauer: die Schulbühnen am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Und: Sie bilden auch die Wurzeln des Faust-Festspiel-Teams.

„Es ist wunderbar zu sehen, wie die Theaterleidenschaft die Schüler packt“, ist Regisseur und Schulspielleiter Horst Pfadenhauer begeistert von „seiner Truppe“, die gerade „Carolus Magnus“ auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gezaubert hat. Drei übervolle Vorstellungen am Wochenende, die die kleine Schulbühne von nur 100 Plätze fast sprengten, dokumentieren die schon zum Kult gewordene Kotzebue-Tradition der Studiobühne am Langen Steig. Seit 2002 ist dies nun das sechste Stück des 1819 ermordeten Erfolgsautors Kotzebue, das in Folge aufgeführt wurde und mittlerweile eine regelrechte Fangemeinde von Kotzebeu-Begeisterten in Kronach nach sich gezogen hat.

 

Schüler entdecken die Bühne als Plattform
Schulspiel am Kaspar-Zeuß-Gymnasium ist Teamarbeit – Ewiger Kampf ums „p,t,k“

Kronach. „Sie entdecken die Bühne für sich als Plattform. Bei mir spielen ruhigere, eher introvertierte Schüler genauso, wie echte Originale.“ Oberstudienrat Horst Pfadenhauer beschreibt die unterschiedlichen Charaktere seiner Schauspieler. Es gehe für alle darum, den Mut zu entwickeln, vor anderen, unbekannten, vielleicht auch kritischen Menschen aufzutreten.

„Ich habe einen Riesen-Respekt vor den Schülern. Schulspiel bedeutet zusätzliche Arbeit am Nachmittag. Und das über einen längeren Zeitraum. Viele sind fünf und mehr Jahre dabei“, so der Regisseur. Schulspiel sei jedoch auch Teamarbeit. „Gerade dieses gemeinsame Arbeiten ist das Schöne an dieser Aufgabe.“

Amüsant sei bei der Arbeit der ewige Kampf ums „p,t,k“, plaudert Pfadenhauer aus dem Nähkästchen. Ein ewiger Kampf um das „p,t,k“? So bezeichnet die Gruppe ihre vielfältigen Bemühungen, dem fränkisch-„weichgespülten“ Einschlag der Buchstaben „p,t,k“ Herr zu werden. Der Franke mache daraus eben allzu oft ein „b, d, g“. „Das kann auf der Bühne nicht sein. In unseren Stücken nehmen wir dieses Problem sogar humoristisch auf die Schippe. So verbessert eine Figur die andere beim Wort „“Bodendaden“, was korrekt natürlich „Potentaten“ ausgesprochen werden muss. Ein Lacheffekt mehr für das Publikum.

Dabei dürfe die Mundart aber nicht generell verteufelt werden. „Wir lassen diese natürlich an der Schule als eigenen Bestandteil der Heimat gelten. Der Unterricht und das Schulspiel ist jedoch weitgehend mundartfrei.“, so Pfadenhauer, der selbst als Autor seine Erfahrungen mit Mundart in eigenen Stücken und auch Gedichtübertragungen umgesetzt hat.

Auch bei der Rollenverteilung gibt es für den Regisseur einiges zu bedenken. „Ich verzichte auf die Dauerfestlegung auf gewissen Rollen. Es darf nicht sein, dass einem Schüler aus dem Schulspiel heraus ein wie auch immer geartetes Image – etwa des Albernen – anhaftet.“

Horst Pfadenhauer selbst sieht im Theater neben der Kommunalpolitik und der Jagd seine dritte große Leidenschaft. Theater am Gymnasium sei aber auch ein Teil seines Berufes als Deutschlehrer. „Mit dem Schultheater verknüpfe ich Pflicht und Passion. Ich verstehe Theater am Kaspar-Zeuß-Gymnasium jedoch auch als Fortführung einer großen Tradition im Schulspiel.

Warum jedoch ausgerechnet Kotzebue, der ja für Schulbühnen kein typischer Autor ist? Und das auch noch seit fünf Jahren? Zu Goethes Zeit, so Pfadenhauer, war er der meistgespielte Autor. „Heute ist er – leider – nahezu vollkommen vergessen. Die Theaterstücke, die wir mit unserer Gruppe bisher ausgegraben haben, sind wirklich das letzte Mal von 200 Jahren aufgeführt worden.“

Wie geht man mit der alten Sprache, der nicht gerade zeitgemäßen Handlung um, wollen wir wissen. „Bei einigen Stücken gelingt die Aktualisierung recht gut“, verweist Horst Pfadenhauer zum Beispiel auf die „Deutschen Kleinstädter“ und die eben gespielte Fortsetzung im Dreiakter „Carolus Magnus“. Dort waren die Parallelen zur Landesgartenschau oder zu Kronach unüberhörbar. Das gelinge nicht bei jedem Stück, sodass in einem solchen Fall die Sprache und natürlich die Situationskomik im Mittelpunkt stehe.

Und die stellt dann natürlich vor allem die Akteure vor eine große Herausforderung, wie Laura Körner (Klasse 11c), seit zwei Jahren Mitglied der Theatergruppe erläutert: „Manche Begriffe müssen wir uns erst aus dem Zusammenhang erschließen oder sie uns von unserem Regisseur erklären lassen.“

Was ist aber nun das Besondere an den verstaubten Texten? Julia Hilbert ihre Klassenkollegin, die heuer eine Schauspielerin auf der Bühne darstellt: „Es ist die Situationskomik und das Geschick von Kotzebue, Situationen zu konstruieren, die real wohl niemals so hätten ablaufen können, jedoch angedacht, einmal angespielt und abgespult für todsichere Lacheffekte sorgen.“ Natürlich stöhne die Gruppe ab und an über die altertümliche Sprache, über die fast unleserliche Frakturschrift. „Aber es ist eine Herausforderung und wenn das Stück einmal steht, dann macht es unheimlich Spaß.“, weiß Emanuel Bauer zu berichten.Er hat mittlerweile auch schon in kleineren Rollen bei den Faust-Festspielen brilliert und verkörpert die Hauptrolle des Kronacher Bürgermeisters Starr im neuesten Stück. „Alles zusammengenommen bedeutet für mich Schultheater Teamarbeit über die Klassen- und Jahrgangsstufengrenzen hinweg, was natürlich einen besonderen Reiz ausmacht.“, schwärmt Michael Schneider fast ein bisschen wehmütig. Er, Emanuel Bauer und Michael Seegenschmiedt, die quasi als dienstälteste Kotzebue-Mimen als „Paten“ von Beginn an dabei waren, absolvieren in diesem und im nächsten Schuljahr das Abitur und scheiden leider aus.


Geschichte der Schulbühnen am Kaspar-Zeuß-Gymnasium
Rahmenbedingungen für die Schulbühne nur bedingt ideal

Kronach. „Die Rahmenbedingungen, die wir für unsere Schulbühne haben, sind, sehr höflich formuliert, nur bedingt ideal“, so Pfadenhauer. Man verfüge über eine nur sehr kleine Requisite und habe für historische Stücke kaum brauchbare Kostüme. Ein Klassenzimmer werde als Umkleide zweckentfremdet, die Teeküche diene als Maske. Selbst bei Eiseskälte müsse man zunächst ins Freie, um an den hinteren Bühneneingang zu kommen, weshalb die meisten Schauspieler nach der letzten Aufführung sich auch erkältet hätten. „Der Riesenvorteil unseres Kammertheaters ist die Tiefe der Bühne.“ Letztere stellt allerdings auch eine Herausforderung dar. „Wir müssen von jedem Zuschauerplatz aus gesehen werden“, schärft er seinen Akteuren immer wieder ein. Seit September übten die Schüler der Jahrgangsstufen 10 bis 13 wöchentlich ein Mal etwa zweieinhalb Stunden. In der Woche vor der Aufführung war tägliches Proben angesagt. Generalprobe war am Vormittag der Premiere.

Stolz verweist Horst Pfadenhauer auf die Theatertradition an der Schule. Sein Lehrer und Mentor Hans-Jürgen Schmitt, ließ ihn 1982 im Schulspiel als Schauspieler erste Erfahrungen sammeln. „Zehn Jahre später konnte ich – mittlerweile selber Lehrer an der Schule – gemeinsam mit ihm viele kleine, aber auch große Theaterprojekte verwirklichen. Das war eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, bei der ich viel lernen konnte.“, so Pfadenhauer.



Gesamtüberblick der Geschichte der Schulbühnen am Kaspar-Zeuß-Gymnasium:

50er und 60er Jahre
Beginn des Schulspiels unter Dr. Michael Ott
(Spielort: Altes Katholisches Vereinshaus)

70er Jahre
Aufbauarbeit der unteren Klassen durch Hans Pfreundner, Ulf Mattiesen, Wassilly Linke und Hans-Jürgen Schmitt

1979 bis 1984
Werkbühne des KZG am Melchior-Otto-Platz (heutiges Servicezentrum des Finanzamtes) in der Oberen Stadt:
Leitung der Aufführungen durch Hans-Jürgen Schmitt und Ulf Mattiesen

ab 1979
Große Bühne in der Aula der Schule (Kreiskulturraum)
100-jähriges Jubiläum des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums (1979)
• Initialzündung für das Schultheater
• ab diesem Zeitpunkt große Theateraufführungen: z.B.“Der Klassenaufsatz“ von Wickert; Hasenclevers „Antigone“ im Rahmen der Expressionismustage 1981; Sophokles „Elektra“ etc.

80er Jahre: Das Nonplusultra des Schulspiels
• mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Spielleitern (Ehepaar Mattiesen, Schmitt, ehemalige Schüler wie z .B. Gräbner, Leistner, Schuster)
• teilweise bis zu 8 Stücke pro Jahr mit ca 25 Aufführungen!
• Parallele Nutzung der Werkbühne in der Oberen Stadt und der Aula
• 1984: Umzug in die Neue Werkbühne am Kloster (heute Gründerzentrum)
• 1988: Legendäre Faust-Inszenierungen (Faust I und II!) Rainer Gräbner als Faust

90er Jahre
• mit Dr. Franz Lederer (Musiklehrer am KZG) Beginn des Musiktheaters: Komposition und Realisation großer Kinderopern in der Aula mit Unterstufenchor, Solisten und eigenem Schulorchester
„Gilgamesch“, „Schneeweißchen und Rosenrot“ Gesamtregie: Hans-Jürgen Schmitt
„Kalif Storch“ und „Odysseus“ (Musik: Dr. Franz Lederer; Text oder Libretto: Horst Pfadenhauer)
• 1995: Umzug der Werkbühne in die Neue Studiobühne im KZG am Langen Steig

 

Seit 2002
Kotzebue-Theatergruppe unter Horst Pfadenhauer:
• 2002: Die deutschen Kleinstädter
• 2003: Der Rehbock
• 2004: Die Erbschaft
• 2004: Der Stumme
• 2005: Incognito
• 2006: Carolus Magnus

 

 

 

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