KZG-Schülerparlament schnuppert „Kreistags-Luft“

In einem feierlichen Akt konstituierte sich am Montag das neu gegründete Schülerparlament des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums Kronach. Das Parlament besteht aus drei Ausschüssen, die sich an den Ausschüssen eines Kreistages orientieren.
„Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und ...

 

...der Verfassung des Freistaates Bayern. Ich schwöre, den Gesetzen und der Schulordnung gehorsam zu sein und meine Amtspflichten gewissenhaft und im Sinne der Demokratie zu erfüllen. Ich schwöre, die vom Parlament angestrebten Ziele zu verwirklichen und meinen Pflichten nachzukommen, so wahr mir Gott helfe.“ - Die Jungen und Mädchen des Kaspar-Zeuß-Gymnasium haben sich in der Mensa, die an diesem Montagmorgen eher dem Maximilianeum gleicht, von ihren Plätzen erhoben. Entschlossen und mit fester Stimme leisten sie gemeinsam diesen Eid. Die Nationalhymne erklingt. An der Einrichtung geht es heute fast zu wie im richtigen Politikerleben: Die Ausschuss-Vorsitzenden stellen ihre Ziele vor, die vorher durch die Parlamentsmitglieder in einer ganzen Tagessitzung erarbeitet worden waren. Über drei Beschlussvorschläge wird demokratisch abgestimmt. Eine Sitzungsleiterin wird gewählt. Nicht zuletzt wird auch - genau wie bei einer Kreistagssitzung - die erarbeitete Geschäftsordnung als „Herzstück“ des Parlaments vorgestellt und eben dieser Eid geleistet.    

 

(von links) Schul-Direktorin Renate Leive, Studienreferendar Alexander Dorst, Nico Reeb, Theresa Fiedler und Felix Imer unterzeichnen die Gründungs-Urkunde.

 

Studienreferendar Alexander Dorst gründete im Rahmen einer Hausarbeit für das 2. Staatsexamen im Fach Pädagogik ein Schülerparlament, das den Schülern mehr Mitspracherecht an ihrer Schule geben soll. Dem Schülerparlament gehören jeweils drei Personen aus jeder Klasse der einzelnen Klassenstufen an, die zuvor klassenintern gewählt wurden. „Mit Sicherheit gibt es in Deutschland und explizit Bayern schon einige Schülerparlamente. Doch dieses Parlament soll sich an der kommunalen Wirkungsweise - sprich dem Kreistag - orientieren. Es soll auf einer Mikroebene aufzeigen, was die Makroebene - wie der Bundestag - leistet und warum die erste Ebene so wichtig ist“, erklärt Dorst, der selbst Stadt- und Kreisrat ist und bereits in seiner Schulzeit an seiner Schule ein Schülerparlament gründete, das immer noch besteht. Die Schüler des KZG bildeten zwar keine Fraktionen. Dennoch gehe es darum, politische Prozesse nachvollziehbar zu machen. „Die Schüler lernen hierbei den Umgang mit verschiedenen Prozessen in einer Demokratie und sollen befähigt werden, eigene Entscheidungen zu fällen. Den Lernenden soll also die Möglichkeit gegeben werden, sich auf das Leben nach der Schule vorzubereiten, indem sie demokratische Prozesse selbst erleben“, zeigt er sich sicher. Sie sollten Erfahrungen machen, was man allgemein unter Politik im positiven Sinne versteht - unter anderem dass die Mehrheit entscheidet, wie man Projekte durchsetzen kann oder Debatten zu führen.

Wie das aussehen kann, machten die gewählten Vorsitzenden der drei Ausschüsse deutlich. Felix Imer, Leiter des Ausschusses für Planung, Vorbereitung von Beschlüssen, Sitzungen und Rechnungen, ging auf angedachte Projekte wie den Weihnachtsmarkt, eine Winderwanderung, eine Rosen-Verschick-Aktion zum Valentinstag oder den „Zeuß-Ball“ ein. „Um diese Vorhaben realisieren zu können, sind Regeln wichtig. Die Planung muss stimmen, sonst funktioniert das nicht“, machte er die Bedeutung seines Ausschusses deutlich. Nico Reeb, der dem Ausschuss Bildung, Kultur, Sport und Soziales vorsteht, kam ebenfalls auf den schon traditionellen Weihnachtsmarkt zu sprechen. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Veranstaltung noch verbessern könnten. Wir sind aber zur Einsicht gelangt, dass der Weihnachtsmarkt in der bestehenden Form schon nahezu perfekt und gut strukturiert ist. Das Organisations-Skript wollen wir festhalten, um damit den nachfolgenden Schülersprechern die Arbeit zu erleichtern.“ Theresa Fiedler ist die Leiterin des Ausschusses für Beschwerde, Umwelt, häusliche Angelegenheiten und Pressearbeit. „Ich finde das Schülerparlament eine Super-Idee. Die Schüler haben so viele Einfälle, Wünsche und Anregungen, die sie aufgrund der Basis-Demokratie an uns herantragen können. Diese neue Einrichtung stärkt die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Man identifiziert sich noch mehr mit seiner Schule“, freut sie sich. Gleichwohl verheimlichte sie nicht, dass das Gremium auch machtpolitisch und finanziell eingeschränkt sei. „Wir müssen auf den Boden der Realität bleiben“, appellierte sie. Sie sprach unter anderem den Wettbewerb „Wer hat das schönste Klassenzimmer im KZG?“ an. Weiter dachte sie Kunstausstellungen an, um in der Einrichtung geschaffene Kunstwerke einer größeren Öffentlichkeit zu präsentierten.
Schul-Direktorin Renate Leive zeigte sich sehr erfreut über das Engagement des Studienreferendars und der einsatzfreudigen Schüler und Schülerinnen ihrer Einrichtung. „Studienreferendar Alexander Dorst trat mit dem Vorschlag an mich heran. Ich fand die Idee von Anfang an sehr gut. Mir und der ganzen Schule ist es ein großes Anliegen, die SMV-Arbeit zu unterstützen“, betonte sie. Mit dem Schülerparlament werde dies noch umfassender ermöglicht. „Demokratie und Parlament sind keine selbstverständlichen Dinge. Dieser Tatsache sollten wir uns bewusst sein. Jeder von uns, der die Möglichkeit hat, sich einzubringen, sollte diese Chance auch nutzen“, appellierte sie. Ähnlich sah es Kronachs 3. Bürgermeister Hans Simon, der die Grüße der Stadt übermittelte. „Das Parlament beginnt im Kleinen“, ermunterte er die Schüler.
Während der Sitzung wurden über zwei Anträge per Akklamation abgestimmt. Zunächst wurde - bei vier Gegenstimmen - die Geschäftsordnung angenommen. Gerade noch angenommen wurde der Antrag über die Unterstützung der Umweltgruppe bei deren Teilnahme am Bundes-Umwelt-Wettbewerb. Hier gab es vier Gegenstimmen und 16 Enthaltungen. Als Sitzungsleiterin wurde Luisa Kestel gewählt. Sie erhielt 22 der 105 anwesenden Stimmberechtigten. Da der vorgeschlagene Nico Reeb, der 60 Stimmen für sich verbuchen konnte, das Amt nicht annahm, war sie Nachrückerin. Sie wird ab sofort mit dem Parlamentsglöckchen bei Sitzungen für Ordnung und Ruhe sorgen. Die Gründungsurkunde wurde von den drei Ausschussvorsitzenden sowie Schul-Direktorin Renate Leive und Studienreferendar Alexander Dorst unterzeichnet. Die musikalische Umrahmung oblag dem Bläserensemble des KZG.

 
Mitglieder: Dem Gremium gehören 120 Schüler und -innen an. Eventuelle Ausfälle in der Q 12 verändern regelmäßig die Anzahl des Parlaments. Daher ist eine Fixierung nicht immer möglich. Manchmal sind auch nicht immer drei Schüler pro Klasse und pro Klassenstufe vertreten. Deshalb verändert sich die Zahl der Mitglieder ständig. Damit unterscheidet sich das Parlament von dem Kreistags-Parlament, macht es aber auch lebendiger.
 
 

Die neue Sitzungsleiterin Luisa Kestel (rechts) bei ihrer Antrittsrede. Zu sehen sind (von links) Schul-Direktorin Renate Leive sowie die drei Ausschuss-Vorsitzenden Theresa Fiedler, Nico Reeb und Felix Imer.
      


 

 

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