Afghanistan, Syrien & Co: Internationale Sicherheit am KZG

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Sicherheit ist, was unsere Zivilisation zusammenhält und der Mangel an Sicherheit ist, was Staaten in die Knie zwingt. Nirgends ist dies besser als in den Krisenherden unserer Erde zu beobachten. Staaten wie Afghanistan, Syrien und Libyen sind zerfallen, zersprungen in ein Mosaik von Fraktionen, die gegeneinander um die Vormacht kämpfen. Diesem Thema widmete sich Hauptmann Marius Alois Erbrich, Jugendoffizier der Bundeswehr für Oberfranken, in seinem Vortrag für die Q12 des KZG.

Insgesamt hat uns Herr Erbrich die Sicherheitslage in zwei Ländern nähergebracht: Syrien und Afghanistan. Wobei er die Schilderungen über die Lage in Afghanistan mit eigenen Erfahrungen, die er im Rahmen eines Einsatzes im Jahre 2012 gesammelt hatte, untermauern konnte.

Zum Einstieg des Vortrages zeigte er uns ein Bild von Wasser und fragte, was Wasser uns bedeute. Alle wussten, dass es lebensnotwendig ist. Es ist für uns selbstverständlich, wir können zu jeder Zeit den Wasserhahn aufdrehen. Er drehte die Sichtweise um und warf die Frage in den Raum, ob Wasser auch beispielsweise in Nordafrika so leicht erhältlich sei. Die Antwort war klar: Nein.

Durch das jährliche Bevölkerungswachstum von 78 Mio. Menschen besteht auf der ganzen Welt eine Knappheit. Nicht nur an Wasser, sondern damit verbunden auch an Essen, eben den lebensnotwendigen Dingen. Dazu kommen noch die Spannungen und Katastrophen, die anhand der Protestwelle des Arabischen Frühlings von 2011 ein gutes Beispiel fanden. Diese Indikatoren treiben Menschen, vor allem aus den sogenannten Krisenherden, an, ihre Heimat zu verlassen, um überhaupt eine Chance auf Leben zu haben.

Ein solcher Krisenherd ist das Land Syrien, in dem der Leitsatz „Jeder gegen Jeden“ herrscht. In diesem Land kann eine Kalaschnikow für ungefähr 200 Dollar erworben werden und in diesem Land hat die größte Waffe immer Recht. Fast jede Familie besitzt zum Eigenschutz eine Waffe. Hinzu kommt, dass die Sunnitische Bevölkerung gespalten und der Staatsapparat fragmentiert ist. Erschwerend kommt noch das Netz aus Allianzen hinzu: Russland unterstützt die Regierung Assads aufgrund taktischer Interessen, Assad verbündet sich mit den Kurden, denen er Autonomie versprach, die Türkei steht hinter Russland, ist aber gleichzeitig gegen die Kurden und das wahhabitische Saudi-Arabien unterstützt die islamistischen Rebellen. Den Konflikt verschlimmert zusätzlich der Islamische Staat, der sich in dem zerfallenen Staat mit dem Verkauf von Öl und dem Handel mit Drogen und, was noch schlimmer ist, auch mit Menschen finanziert.

In diesem Chaos kann niemand menschenwürdig leben, es kommt zur Flucht der Bevölkerung in Hoffnung auf ein Leben. An dieser Stelle merkte Herr Erbrich an, dass Deutschland zwar in Europa, aber nicht weltweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat. Alleine die Türkei empfing fünf Millionen Flüchtlinge, zwei Millionen davon sind Syrer. Und Libanon hieß genauso viele Menschen willkommen, wie Deutschland, jedoch liegt die Bevölkerungszahl in diesem Land bei viereinhalb Millionen Menschen, weshalb man dort eher von einer Flüchtlingskrise sprechen könnte. Ebenso ist die Region Zaatari in Jordanien viel mehr ein Flüchtlingsheim als eine Stadt. Folglich sollte man die Zustände in diesen Gebieten unterstützen und aufbessern, um das friedliche Zusammenleben mit der Bevölkerung und den Flüchtlingen zu sichern.

Trotz besserer Lebensverhältnisse und vergleichbar geringerer Zahl an Flüchtlingen ist die Lage in Deutschland ebenso sehr von Spannungen gekennzeichnet. Vorurteile werden öffentlich geäußert und Menschen, die aus den genannten Gründen ihre Heimat verlassen mussten, werden für die Taten verantwortlich gemacht, die ein sehr geringer Bruchteil ihrer Landsleute verbrochen haben.

Zuletzt kam er auf Afghanistan zu sprechen. Um das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber dem Westen besser verstehen zu können, brachte er uns die Vorgeschichte Afghanistans näher. Diese war geprägt von Eingriffen anderer Länder in das politische Geschehen dort. Begonnen mit dem Grenzziehen durch das British Empire, das Afghanistan als Pufferzone zur Sowjetunion haben wollte, wobei man keine Rücksicht auf die Bevölkerung nahm. Nach dem Sturz der Monarchie kam es dort zum Aufbau einer kommunistischen Regierung, die den Frauen völlige Gleichberechtigung verlieh, jedoch missfiel dies den Taliban. Es folgten Jahre sowjetischer Besatzung und ein verheerender Bürgerkrieg, der sich nach Eingreifen der USA nicht sonderlich verbesserte.

Während seines Einsatzes dort, der von Februar bis Juli 2012 andauerte, war es sein ISAF (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe) Auftrag, die Sicherheit in Afghanistan wiederherzustellen und zu wahren. Jedoch erwies sich dies als äußerst schwer, da dort komplexe Prozesse miteinander verknüpft sind. Herr Erbrich meinte, dass die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung besonders wichtig sei und man nicht auf die Hilfe anderer Länder, wie beispielsweise Amerika, verzichten könne. Man müsse „Hand in Hand“ zusammenarbeiten. Aber auch große Waffen wären bei dem Einsatz als Mittel zur Deeskalation von Bedeutung, um Konflikte durch Einschüchterung zu entschärfen. Mit Bildung, dem Bau moderner Schulen und der Rekonstruktion ganzer Städte versucht man, das Leben dort menschenwürdiger zu machen. Nur mit einem vernetzen Ansatz aus Entwicklungshilfe und Solidarität kann ein Fortschritt erzielt werden. Nur mit Bildung kann dieser Fortschritt erreicht werden, denn nur dann können der Frieden und Wohlstand gesichert werden.

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