Zwei Lesungen am KZG

lesung.jpgZwei Schriftsteller, der Berliner Detlev Opitz und der Kinderbuchautor Andreas Schlüter, waren Gäste am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Eindrucksvoll gelang es ihnen, die Schülerinnen und Schüler der Unter- bzw. Oberstufe in ihren Bann zu ziehen.
  
Detlev Opitz:  
„Im Westen wäre ich nicht Schriftsteller, sondern eher Polizist geworden" 

Kronach- „Mir ging es weniger darum, die DDR zu kritisieren. Eigentlich war sie mir total egal. Aber ihre beengten Verhältnisse zwängten mich ein. Ich wollte selbst entscheiden, ob und wann ich sie verlassen würde." - Mit diesen Worten beschrieb am vergangenen Freitag der Berliner Schriftsteller Detlef Opitz - vor der Wende Mitglied der alternativen DDR-Literatur- und Kunstszene - seine Intentionen für das Verfassen seiner Bücher, Romane und Briefe bzw. deren Publizieren in „Untergrundzeitschriften". Die nicht öffentliche Veranstaltung war Teil des Projekts „Oberfranken liest" , bei der auch in den Jahren 2008 und 2009 Stipendiaten im Bereich der Literatur, die für ein Jahr im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia leben und arbeiten, Lesungen in oberfränkischen Schulen halten und zu einer anschließenden Gesprächsrunde einladen. Der 90-minütigen höchstinteressanten Lesung, die in beeindruckender Art und Weise ein Stück deutscher Geschichte wiedergab, wohnten - neben den Schülern und Schülerinnen der elften Klassen - auch zahlreiche Lehrkräfte der Einrichtung bei.

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Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich die Fachbetreuerin Deutsch Oberstudienrätin Friederike Breitenbach beim Autor für dessen Bereitschaft, den Schülern einen Einblick in seine vielseitigen Werke zu gewähren. In kurzen Worten stellte sie den bewegten und für die junge Generation schwer nachvollziehbaren Lebenslauf des Schriftstellers vor, dem in der ehemaligen DDR nicht nur ein Literaturstudium, sondern auch reguläre Veröffentlichungen untersagt blieben. Dieser trug zunächst sechs Abschnitte seines in den 80-er Jahren entstandenen -  autobiographischen - Buchs „Diva in Grau" über seinem ehemaligen Wohnort Halle an der Saale vor, dessen Titel sich längst zu einer festen Bezeichnung für die sächsische Industriestadt etabliert habe. In seinem Portrait bezeichnete er diese sarkastisch als eine „Großstadt mit zu vielen Einwohnern" und eine „alternde Diva, deren Make-up vom Gesicht bröckelt". Ihr abstoßender Charme läge in der Gräue, Mobilität und Vergänglichkeit. „Den häßlichen und schiefen Gebäuden möchte man Lepra, Pest und Aussatz andichten", so der Autor.

Weiter verlas er drei seiner von ihm - ebenfalls in den 80-er Jahren verfassten - Briefe an verschiedene Volkspolizei-Inspektionen, in denen er ironisch und mit schrägen Witz das Regime in seiner Gesamtheit ad absurdum führte. Wie er ausführte, sei ihm sogar - unter Androhung von Haft und Verbannung - das Schreiben weiterer Briefe an öffentliche Behörden untersagt worden. Dennoch habe er - aus Wut über die nahezu täglichen Repressalien - nicht damit aufgehört. Seine Anwälte in den diversen Auseinandersetzungen seien Gregor Gysi und Lothar de Maizière gewesen.     

Nach seiner mit viel Beifall bedachten Lesung, die - trotz der ernsten Themen - aufgrund seiner experimentellen und grenzenlosen Sprachlust auch für manche Lacher gesorgt hatte, stellte sich der Autor den Fragen der Schüler und Lehrkräfte. Dabei meinte er, dass er - wäre er im Westen geboren - wohl nicht diesen Beruf gewählt hätte, sondern eher Polizist geworden wäre. Er habe deshalb mit dem Schreiben angefangen, da ihm andere Tätigkeiten untersagt worden seien.

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Weitere Infos:

Detlef Opitz wurde am 08.11.1956 in Erlabrunn (Sachsen) geboren. Nach seiner Ausbildung als Schienfahrzeugschlosser in Dresden, lebte und arbeitete er von 1975 bis 1982 unter anderem als Puppenspieler, Briefträger und Staatsverleumder in Halle. 1980 wurde er zum Studium der Literatur in Leipzig zugelassen, doch - auf Betreiben der Sicherheitsbehörden - wieder ausgeschlossen. Mehrfach wurde er in der DDR inhaftiert und wegen „gesellschaftlichen Missverhaltens" und „nichtsozialistischen Lebenswandels" zu mehreren Jahren Verbannung (Erzgebirge) verurteilt. Seit 1982 lebt er im Berliner Prenzlauer Berg und gehört der Ostberliner Literatur- und Kunstszene an. Für seine Werke wurde er unter anderem 1997 mit dem F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste Berlin und 1998 mit der Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung ausgezeichnet.          

 

Zu Andreas Schlüter

lesung.jpgZwei Schriftsteller, der Berliner Detlev Opitz und der Kinderbuchautor Andreas Schlüter, waren Gäste am Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Eindrucksvoll gelang es ihnen, die Schülerinnen und Schüler der Unter- bzw. Oberstufe in ihren Bann zu ziehen.
  
Detlev Opitz:  
„Im Westen wäre ich nicht Schriftsteller, sondern eher Polizist geworden" 

Kronach- „Mir ging es weniger darum, die DDR zu kritisieren. Eigentlich war sie mir total egal. Aber ihre beengten Verhältnisse zwängten mich ein. Ich wollte selbst entscheiden, ob und wann ich sie verlassen würde." - Mit diesen Worten beschrieb am vergangenen Freitag der Berliner Schriftsteller Detlef Opitz - vor der Wende Mitglied der alternativen DDR-Literatur- und Kunstszene - seine Intentionen für das Verfassen seiner Bücher, Romane und Briefe bzw. deren Publizieren in „Untergrundzeitschriften". Die nicht öffentliche Veranstaltung war Teil des Projekts „Oberfranken liest" , bei der auch in den Jahren 2008 und 2009 Stipendiaten im Bereich der Literatur, die für ein Jahr im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia leben und arbeiten, Lesungen in oberfränkischen Schulen halten und zu einer anschließenden Gesprächsrunde einladen. Der 90-minütigen höchstinteressanten Lesung, die in beeindruckender Art und Weise ein Stück deutscher Geschichte wiedergab, wohnten - neben den Schülern und Schülerinnen der elften Klassen - auch zahlreiche Lehrkräfte der Einrichtung bei.

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Zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich die Fachbetreuerin Deutsch Oberstudienrätin Friederike Breitenbach beim Autor für dessen Bereitschaft, den Schülern einen Einblick in seine vielseitigen Werke zu gewähren. In kurzen Worten stellte sie den bewegten und für die junge Generation schwer nachvollziehbaren Lebenslauf des Schriftstellers vor, dem in der ehemaligen DDR nicht nur ein Literaturstudium, sondern auch reguläre Veröffentlichungen untersagt blieben. Dieser trug zunächst sechs Abschnitte seines in den 80-er Jahren entstandenen -  autobiographischen - Buchs „Diva in Grau" über seinem ehemaligen Wohnort Halle an der Saale vor, dessen Titel sich längst zu einer festen Bezeichnung für die sächsische Industriestadt etabliert habe. In seinem Portrait bezeichnete er diese sarkastisch als eine „Großstadt mit zu vielen Einwohnern" und eine „alternde Diva, deren Make-up vom Gesicht bröckelt". Ihr abstoßender Charme läge in der Gräue, Mobilität und Vergänglichkeit. „Den häßlichen und schiefen Gebäuden möchte man Lepra, Pest und Aussatz andichten", so der Autor.

Weiter verlas er drei seiner von ihm - ebenfalls in den 80-er Jahren verfassten - Briefe an verschiedene Volkspolizei-Inspektionen, in denen er ironisch und mit schrägen Witz das Regime in seiner Gesamtheit ad absurdum führte. Wie er ausführte, sei ihm sogar - unter Androhung von Haft und Verbannung - das Schreiben weiterer Briefe an öffentliche Behörden untersagt worden. Dennoch habe er - aus Wut über die nahezu täglichen Repressalien - nicht damit aufgehört. Seine Anwälte in den diversen Auseinandersetzungen seien Gregor Gysi und Lothar de Maizière gewesen.     

Nach seiner mit viel Beifall bedachten Lesung, die - trotz der ernsten Themen - aufgrund seiner experimentellen und grenzenlosen Sprachlust auch für manche Lacher gesorgt hatte, stellte sich der Autor den Fragen der Schüler und Lehrkräfte. Dabei meinte er, dass er - wäre er im Westen geboren - wohl nicht diesen Beruf gewählt hätte, sondern eher Polizist geworden wäre. Er habe deshalb mit dem Schreiben angefangen, da ihm andere Tätigkeiten untersagt worden seien.

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Weitere Infos:

Detlef Opitz wurde am 08.11.1956 in Erlabrunn (Sachsen) geboren. Nach seiner Ausbildung als Schienfahrzeugschlosser in Dresden, lebte und arbeitete er von 1975 bis 1982 unter anderem als Puppenspieler, Briefträger und Staatsverleumder in Halle. 1980 wurde er zum Studium der Literatur in Leipzig zugelassen, doch - auf Betreiben der Sicherheitsbehörden - wieder ausgeschlossen. Mehrfach wurde er in der DDR inhaftiert und wegen „gesellschaftlichen Missverhaltens" und „nichtsozialistischen Lebenswandels" zu mehreren Jahren Verbannung (Erzgebirge) verurteilt. Seit 1982 lebt er im Berliner Prenzlauer Berg und gehört der Ostberliner Literatur- und Kunstszene an. Für seine Werke wurde er unter anderem 1997 mit dem F.-C.-Weiskopf-Preis der Akademie der Künste Berlin und 1998 mit der Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung ausgezeichnet.          

 

Zu Andreas Schlüter

Andreas Schlüter

Zuhörer tauchten in die Fantasiewelt Pangeas ab

 

Kronach- „Ich habe drei schlechte Nachrichten, aber auch eine gute Nachricht für Dich: Wir haben dich entführt und du bist ganz weit weg von zu Hause. Ob du jemals wieder zurückkehren kannst, liegt ganz an Dir. Aber du wirst der berühmteste Mensch der ganzen Welt werden!" - Wie gebannt hingen am gestrigen Freitag die Schüler der 7. Klassen des Kaspar-Zeuss-Gymnasiums sowie anschließend die Sechstklässler der Siegmund-Loewe-Realschule an den Lippen des bekannten Kinder- und Jugendbuchautoren Andreas Schlüter. Dieser trug so anschaulich und bildhaft einige Textpassage aus seinem - zusammen mit Mario Giordano verfassten - spannungsgeladenen Zukunftsroman  „Pangea - Der achte Tag" vor, dass sein junges Publikum förmlich in die Fantasiewelt des Titelhelden Juan abtauchen und dessen Abenteuer „hautnah" miterleben konnte. 

Im Mittelpunkt des Science-Fiktion-Romans „Pangea - Der achte Tag" steht der Halbchinese Huan, der von düsteren Gestalten in die Zukunft, nämlich  nach Panea - unsere Erde in 200 Millionen Jahren - entführt wird. Dorthin war ein Teil der Menschheit per Zeitreise vor einem Meteoriteneinschlag geflüchtet. Da aber auch in der Zukunft die Bevölkerung in Gefahr schwebt, kann nur der Junge - als Auserwählter und Retter der Welt - die Erde vor dem endgültigen Untergang bewahren.

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Dass sich Andreas Schlüter nicht nur meisterhaft auf das Schreiben der unterschiedlichsten Arten von Kindern- und Jugendbüchern versteht, sondern auch dessen Inhalt anschaulich und lebendig den Zuhörern zu vermitteln vermag, stellte dieser bei seinen Autorenlesungen an den beiden Kronacher Schulen eindrucksvoll unter Beweis. Dabei suchte er nicht nur den Kontakt zu den Schülern, sondern mischte sich förmlich unter sie. Bereitwillig und freundlich signierte er - nach seinem mit großem Beifall bedachten Vortrag -  seine Bücher, die käuflich erworben werden konnten. Gerne stellte er sich ebenso für Fragen und Anregungen der sehr interessierten Jugendlichen zur Verfügung, welche sich als durchaus wissbegierig erwiesen. Wie der Autor dabei ausführte, sei er bereits in jungen Jahren durch „Ausprobieren" zum Schreiben gekommen. Etwas erstaunt zeigten sich die Schüler, dass dessen Erstlingswerk und bislang erfolgreichstes Buch „Level 4. Die Stadt der Kinder" - mittlerweile über 400.000 Mal verkauft - zunächst von 33 Verlagen abgelehnt worden sei, bevor er eine Zusage erhalten habe. Laut seinen Worten nehme nicht nur das Schreiben seiner Romane, sondern zudem das Recherchieren von Hintergründen und Fakten eine gehörige Zeit in Anspruch, so auch bei „Pangea - Der achte Tag". Auch änderten sich - fast wie von selbst - mitunter Handlungsstränge sowie Inhalt seiner Geschichten:  „Manchmal schreibe ich das Buch nur, damit ich weiß, wie es ausgeht."                  

img_9839.jpgAndreas Schlüter

wurde am 23.05.1958 in Hamburg geboren. Er lebt und arbeitet in Hamburg sowie auf Mallorca. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, arbeitete dann als Betreuer von Kinder- und Jugendgruppen, bevor er mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit begann. 1990 gründete er das Redaktionsbüro SIGNUM und war als Nachrichten- und Fernsehredakteur tätig. Seit 1993 schrieb er mehr als 40 Kinder- und Jugendbücher, darunter Jugendkrimis, Gruselbücher, eine Kinderkrimireihe, Liebesgeschichten sowie ein Horrorbuch. Der Autor gewann 1998 den Kinderkrimi-Preis EMIL und war mehrfach für den Hansjörg-Martin-Preis nominiert. 2005 erhielt er die Segeberger Feder und war desöfteren auf der Auswahlliste von Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk, zuletzt 2005 mit der neuen Reihe Level 4 Kids. Zudem zeichnete er sich als Drehbuchautor für mehrere Folgen der Krimiserie „Tatort" verantwortlich.

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