Dirk Reinhardt liest aus seinem Roman „Train Kids“

P1060882„Direkt neben mir kreischen die Räder auf den Gleisen. Ich bete, keinen Fehltritt zu tun, dann taucht die Leiter neben mir auf. Als ich sie mit beiden Händen packe, reißt die Kraft des Zuges mich regelrecht nach vorn. Irgendwie schaffe ich es trotzdem abzuspringen.“ So beschreibt Miguel aus Guatemala seinen ersten Sprung auf einen Güterzug, der ihn vom Süden Mexikos in den Norden bringen soll.

Miguel, die Hauptfigur aus Dirk Reinhardts Jugendroman „Train Kids“, will mit vier anderen Jugendlichen die Grenze der USA erreichen. Sie stehen damit für ca. 50 000 bis 100 000 Kinder und Jugendliche aus Lateinamerika, die derzeit als blinde Passagiere Mexiko auf den Dächern von Güterzügen durchqueren. Getrieben sind sie von der Hoffnung, in den USA ihre Mütter wiedersehen zu können. Genau wie diese zuvor glauben sie der Legende, in den USA die bittere Armut ihrer Heimatländer hinter sich lassen und in kürzester Zeit für ihre Familien aussorgen zu können. Auf ihrer 3000 km langen Fahrt warten jedoch zahlreiche Strapazen und Gefahren: die Hitze des Dschungels, die Kälte des Hochgebirges, die Trockenheit der Wüste, aber auch die Brutalität des organisierten Verbrechens und der korrupten Polizei und zum Schluss die schwer bewachte Grenze zu den USA.

Dieses bei uns bislang kaum bekannte Schicksal junger Menschen brachte der Autor Dirk Reinhardt den Schülerinnen und Schülern der 8. und 9. Jahrgangsstufe des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums in seinen Lesungen sehr eindrucksvoll näher. Die vorgetragenen Romanausschnitte schilderten das erbarmungslose Vorgehen der mexikanischen Polizei gegenüber den Flüchtlingen, aber auch den Einsatz Einzelner für einen menschenwürdigen Umgang mit den schutzbedürftigen Jugendlichen. Beeindruckt zeigten sich die Schülerinnen und Schüler dabei besonders von den authentischen Berichten des Autors, der selbst mehrere Wochen an der südlichen Flüchtlingsstrecke für seine Erzählung recherchierte. In zahlreichen, oft tage- und nächtelangen Gesprächen mit Jugendlichen, die auf den nächsten nach Norden fahrenden Güterzug warteten, erhielt er tiefe Einblicke in deren Lebensgeschichten, von denen er den etwa gleichaltrigen Schülerinnen und Schülern erzählte. Seine Bilder von den Originalschauplätzen dieses Flüchtlingsdramas unterlegten dabei die Romanausschnitte und Berichte auf beeindruckende und berührende Weise, sodass jedem die existenziellen Nöte und die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Jugendlichen auf der Flucht bewusst werden konnten. Die Lesung aus dem Roman, der 2016 auch auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis stand, vermittelte so einen Blick auf die individuellen Gesichter, die sich hinter den großen Flüchtlingskatastrophen verbergen, ob in Süd- und Mittelamerika oder an den Grenzen Europas.

 

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